HÖCH, MEYER-VAX, PLATEK, ROEDER. „Sammlung im Dialog“

Verfemt, verfolgt, vergessen: Hannah Höch, Dore Meyer-Vax, Felka Platek und Emy Roeder – vier um 1900 geborene Künstlerinnen, deren Lebenswege und Schaffen durch die gesellschaftlichen und politischen Umstände der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt und beeinträchtigt wurden.

Einige ihrer Arbeiten wurden im Juni 2020 zusammen mit über 100 anderen Werke aus der privaten Sammlung der Familie Schlenke als Stiftung an die Felix Nussbaum Foundation übergeben. Sie werden nun erstmals in einer Auswahl vom 6. August bis zum 25. September im Rahmen der Reihe „Sammlung im Dialog“ im Museumsquartier Osnabrück gezeigt.

Höch, Meyer-Vax, Platek, Roeder: Allen blieb zu Beginn ihrer Ausbildung die Wahl, sich an Kunstgewerbeschulen oder an privaten Malschulen einzuschreiben. Der Zugang zu den angesehenen Kunstakademien blieb ihnen zunächst verwehrt. Mit dem Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution erlebten die Frauen einen großen gesellschaftlichen Umbruch. Die Emanzipationsbewegung konnte mit dem Wahlrecht für Frauen Erfolge verbuchen. Kunst wurde als Mittel zur Gesellschaftskritik und für Gleichberechtigung eingesetzt. Ab 1919 wurden erstmals auch Künstlerinnen an deutschen Akademien zugelassen. Meyer-Vax und Roeder nutzten diese Möglichkeit. Roeder und Höch traten Künstlervereinigungen bei.

Als sich für die vier Künstlerinnen in den 1920er Jahren berufliche Erfolge einstellten, änderten sich die Verhältnisse erneut. Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten bedeutete für sie Ausstellungsverbot, Verfolgung, Flucht und Emigration, Zwangsarbeit oder Gefangenschaft.

Felka Platek erlebte das Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr. Als jüdische Künstlerin wurde sie 1944 in Auschwitz ermordet.

Hannah Höch, Dore Meyer-Vax und Emy Roeder brauchten Jahre, um die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und sich künstlerisch neu zu positionieren. Hannah Höch wurde vor allem auf ihr dadaistisches Werk reduziert. Dore Meyer-Vax geriet fast vollständig in Vergessenheit.

Die Ausstellung „HÖCH, MEYER-VAX, PLATEK, ROEDER. Sammlung im Dialog“ rückt ihre Werke nun in den Mittelpunkt mit direktem Bezug zur Sammlung des Museumsquartiers Osnabrück: Der größte Teil des rudimentär erhaltenen Gesamtwerks von Felka Platek, der Frau Felix Nussbaums, findet sich im Museumsquartier. Dore Meyer-Vax und ihr Mann Walter Meyer-Vax waren mit dem Ehepaar Platek-Nussbaum befreundet.

Die in der Ausstellung gezeigten Leihgaben der Stiftung werden durch Leihgaben aus dem privaten Besitz der Familie Schlenke und durch eine Auswahl aus der Sammlung des Museums ergänzt. Insgesamt werden rund 40 Werke präsentiert.

Am 28. August um 11.30 Uhr laden der Direktor des Museumsquartiers Osnabrück, Nils-Arne Kässens, und die Kuratorin Dr. Maren Koormann und zu einem Empfang anlässlich der Ausstellung ein.

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